Theorie:

Gemäß dem Vertrag über die Europäische Union kann jedes demokratische europäische Land den Antrag auf Mitgliedschaft in der EU stellen. Diesem Aufnahmeantrag muss einstimmig vom Rat angenommen und vom Europäischen Parlament zugestimmt werden. Die Modalitäten und Bedingungen eines Beitritts werden in Beitrittsverträgen festgelegt.
 
Voraussetzungen für die Beitrittsbewerber sind die sogenannten Kopenhagener Kriterien: eine demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, sowie die Wahrung der Menschenrechte und der Schutz von Minderheiten, eine funktionsfähige Marktwirtschaft und die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck innerhalb der EU standzuhalten sowie die Fähigkeit und Bereitschaft zur Übernahme der aus der EU-Mitgliedschaft erwachsenden Rechte und Pflichten.
 
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Abb. 1: Die EU-Erweiterungen
 
Als letztes Land wurde Kroatien am 01. Juli 2013 Mitglied der Europäischen Union. Davor wurden Rumänien und Bulgarien am 01. Jänner 2007 EU-Mitglieder. Durch die große EU-Osterweiterung wurden am 01. Mai 2004 Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Tschechische Republik, Ungarn, die Slowakei, Slowienien, Zypern und Malta Mitglieder der Europäischen Union.
 
 
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Abb. 2: Deutsche Briefmarke zur Feier der EU-Osterweiterung im Jahr 2004
 
Von den derzeit 28 Mitgliedsstaaten haben 18 Staaten den Euro als Währung. Die weitverbreitete Ansicht, der Euro wäre ein 'Teuro' und hätte alles teurer gemacht, ist nicht haltbar. Während 1980 ein Industriearbeiter für einen Liter Benzin siebeneinhalb Minuten arbeiten musste, waren es im Jahr 2012 nicht einmal fünf Minuten.
 
Ein Vergleich der Preisentwicklung mit der Entwicklung der Einkommen kann ein grobes Bild der Veränderung des Lebensstandards vermitteln. Als Indikator für die Preisentwicklung von Gütern und Dienstleistungen wird der Verbraucherpreisindex herangezogen. Als Maßstab der Einkommensentwicklung dienen die Nettostundenverdienste von Industriearbeitenden.
Die folgende Übersicht stellt die Entwicklung der Preise einer Reihe von Waren und Dienstleistungen, die im täglichen Leben eine Rolle spielen. Es wird verglichen wieviele Minuten eine Person in der Industrie im Jahre 1980 und im Jahr 2010 für eine bestimmte Ware arbeiten musste:
 
                                                                 1980                            2010
          1 kg Schweinefleisch                   1h 32,7 min                    35,2 min
          1 l Vollmilch                                      8,8 min                       3,5 min
          1 kg Feinkristallzucker                     10,8 min                       3,5 min
          1 h Arbeitszeit Installateur           6h 35,7 min                8h 25,7 min
 
Wie man gut erkennen kann sank der Arbeitsaufwand für Nahrungsmittel stark. Der Arbeitsaufwand für qualifizierte Dienstleistungen wie z.B. Installateur-, Mechaniker- oder Friseurleistungen, deren wichtigste Kostenkomponente Arbeitskosten sind, nahm erheblich zu.
 
Vor- und Nachteile der EU-Osterweiterung
 
Vorteile:
  • Erweiterung der Friedenszone
  • Eröffnung neuer Märkte
  • Billige Arbeitskräfte aus dem Osten
  • Steigerung des Wirtschaftswachstums durch die Dynamik des großen Binnenmarktes
  • Größere Chancen für den Export, dadurch Beschäftigungszunahme im exportorientierten Bereichen
  • Wirtschaftliche Stärkung der EU am Weltmarkt
  • Fortführung der europäischen Integration
 
Nachteile:
  • Auslagerung von Unternehmen in die steuerlich begünstigten EU-Ostländer
  • Steigen der Arbeitslosenrate durch Unternehmensauslagerungen und des erwarteten Zuzugs von billigen Arbeitskräften aus dem Osten
  • Probleme bei der Sicherung der neuen EU-Außengrenzen
  • Starke Belastung der Nettozahler durch Fördergelder für den Osten
  • Mehr Verkehr durch Osttransit, vor allem durch Österreich
 
Quellen:
Abb. 1: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/bd/Karte_EU-Erweiterungen.png (02.06.2016)
Abb. 2: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e2/Deutsche_Briefmarke_zur_Erweiterung_der_EU_2004.jpg (02.06.2016)