Theorie:

Als Standortfaktoren bezeichnet man all jene Gründe, die für oder gegen die Auswahl eines bestimmten Standorts sprechen. Die Frage nach dem optimalen Standort stellt sich für jedes Unternehmen, das einen Betrieb neu gründen, verlagern oder erweitern will.
 
Arten der Standortwahl
Bei freier Standortwahl kann der optimale Standort aus einer Fülle von Standortkriterien ermittelt werden. Dieses Optimum zeichnet sich idealerweise durch die günstigste Kombination aller Standortfaktoren aus. In der Regel jedoch bringt jeder Vorteil auch Nachteile mit sich.
Bei gebundenen Standorten scheiden einige Standortfaktoren von vornherein aus. Der mögliche Standort ist entweder an natürliche oder an rechtliche Bedingungen gebunden. Landwirtschaftliche Betriebe sind z.B. an natürliche Standorte gebunden. Unter rechtlichen Bedingungen versteht man gesetztliche Vorschriften und Auflagen für die Betriebe (z.B. Umwelt- und Landschaftsschutzbestimmungen).
 
Nach der klassischen Standortlehre von Alfred Weber (1868-1958) sind Standortfaktoren örtliche Produktionskostenvorteile, die einen bestimmten Ort im Vergleich zu anderen attraktiv machen, weil die an diesem Ort entstehenden Kosten niedriger sind. Weber betrachtete Standortfragen vor allem als Fragen der Transportkosten. Ein Ort, der ein bestimmtes Material nicht aufweist, ist bezüglich der Transportkosten des Materials benachteiligt.
 
Standortfaktoren verändern sich im Laufe der Zeit. Eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür liefert die Eisen- und Stahlindustrie. Lagen früher alle Standorte der Eisen- und Stahlindustrie in Kohlrevieren, verloren diese Standorte an attraktivität als der für die Stahlerzeugung notwendige Koksanteil sank. Heute werden neue Stahlwerke unabhängig von jeder Rohstoffbasis bevorzugt an Küsten- und Hafenstandorten errichtet, weil billige Kohle aus großer Entfernung kostengünstig herangebracht werden kann. Heutzutage herrscht eine große Beweglichkeit hinsichtslich der Standortwahl.
 
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Abb. 1 Die Transportkosten konnten durch größere Containerschiffe etc. drastisch reduziert werden.
 
Moderne Standortfaktoren
Moderne Standorfaktoren können die tranditionellen Standortfaktoren nicht ersetzten, bereichern aber die unternehmerischen Entscheidungskriterien um Überlegungen, die früher als unwesentlich galten.
  • Konkurrenzorientierung: Betriebe wählen häufig die räumliche Nähe zu ähnlichen Betrieben, um die Chancengleichheit im Kampf um Marktanteile aus räumlicher Sicht zu erhöhen.
  • Agglomerationsorientierung: Agglomerationsvorteile sind kostenreduzierende Effekte, die aus der Anwesenheit anderer Betriebe resultieren z.B. Betriebe derselben Branche beziehen gemeinsam und dadurch billiger Hilfsstoffe von Zulieferbetrieben. Den Vorteilen stehen auch Agglomerationsnachteile gegenüber. Nachteile der räumlichen Konzentration von Betrieben sind z.B. steigende Bodenpreise, Verkehrsprobleme oder Abfallbeseitigungsprobleme.
  • Grundstücksorientierung: aufgrund von Umweltauflagen wird es immer schwieriger, geeignete Grundstücke zu einem angemessenen Preis zu erhalten
  • Umweltorientierung: bestimmte Gebiete stehen heute aufgrund von Auflagen des Umweltschutzes nicht mehr oder nur zu sehr hohen Kosten als Standorte zur Verfügung
  • Orientierung an der politischen Sicherheit: Die politische Sicherheit spielt vor allem bei der internationalen Standortwahl eine wesentliche Rolle, da bei politisch instabilen Verhältnissen die Investitionen oft gefährdet sind.
  • Verkehrsorientierung: Große Umschlagplätze wie Hafenstädte und Verkehrsknotenpunkte werden bevorzugt. Verkehrsorientierung hat heute of schon den Vorzug gegenüber Rohstofforientierung.
  • Abgabenorientierung: zu zahlende Abgaben oder Steuern spielen vor allem bei der internationalen Standortwahl eine Rolle, da die Steuerbelastung in jedem Land unterschiedlich hoch ist.
  • Subventions- und Investitionshilfenorientierung: Die Orientierung an Subventionen und Investitionshilfen spielt in Österreich eine große Rolle: Bund und Länder bemühen sich Industriebetriebe durch die Gewährung von Subventionen oder Investitionshilfen in bestimmten Problemregionen anzusiedeln, um Arbeitsplätze zu sichern oder neue zu schaffen.
 
Zusammengefasst sind alte Standortfaktoren, die sich aus dem Kostenaspekt ergeben: Rohstofforientierung, Hilfsstofforientierung, Energieorientierung, Arbeitskraftorientierung, Absatzorientierung etc.
Neue Standortfaktoren, die durch das wirtschaftspolitische Klima bestimmt werden, sind: Flächenbedarf, Förderungen, Besteuerung, Umweltorientierung, Infrastruktur, Soziales Klima, Lohnniveau, Fachkräfte etc.
 
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Abb. 1: Neben den gut ausgebildeten Arbeitnehmenden kann Österreich auch mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur bei Unternehmen punkten
 
Wirtschaftsstandort Österreich - pro und contra
Österreich weist im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gute Standortfaktoren auf. Die Globalisierung, die Ostöffnung und vor allem der Beitritt zur EU brachten Österreich in Summe mehr Vor- als Nachteile.
Besonders geschätzt werden in Österreich von ausländischen Betrieben:
  • positives Arbeitsklima
  • gemeinsame Lösungen im Rahmen der Sozialpartnerschaft
  • längere Arbeitszeiten
  • niedrige Steuern für Unternehmen
  • zwar hohe Lohnkosten, jedoch sehr hohe Produktivität
  • gute Ausbildung der österreichischen Arbeitnehmenden
 
So gelingt es der staatlichen Betriebsansiedlungsagentur (ABA - Austrian Business Agency), laufend ausländische Unternehmen nach Österreich zu holen. Umgekehrt wurden durch österreichische Investitionen im Ausland viele Unternehmen oder Unternehmensanteile gekauft, vor allem in Osteuropa.
Quellen:
 
Abb. 1 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d1/Autobahnen_und_Schnellstra%C3%9Fen_in_%C3%96sterreich.svg/2000px-Autobahnen_und_Schnellstra%C3%9Fen_in_%C3%96sterreich.svg.png  (20.05.2016)
Abb. 2 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d1/Autobahnen_und_Schnellstra%C3%9Fen_in_%C3%96sterreich.svg/2000px-Autobahnen_und_Schnellstra%C3%9Fen_in_%C3%96sterreich.svg.png (18.05.2016)