Theorie:

Raumordnung und Raumplanung
vienna-1154998_1920.jpg
Abb. 1: Luftaufnahme von Wien: wie werden Flächen am besten genutzt?
 
Da Grund und Boden nicht beliebig vermehrbar sind, muss vorausschauend festgelegt werden, welche Nutzung bestimmte Flächen haben sollen - spätere Änderungen sind gerade hier nur schwer oder gar nicht möglich. Es geht also um das Ziel, optimale Lebensbedingungen im Bereich der raumbezogenen menschlichen Aktivitäten herzustellen oder zu erhalten.
 
Wir unterscheiden:
  • Raumordnung: Die Gesamtheit der Maßnahmen öffentlicher Gebietskörperschaften (Bund, Länder und Gemeinden), die darauf abzielen, ein Territorium nach bestimmten politischen Zielvorstellungen zu gestalten. Darunter fallen wirtschaftliche, soziale kulturelle und Umweltverhältnisse.
  • Raumplanung: Sie ist ein enger gefasster Begriff, der unter Raumordnung fällt, und bezeichnet eher die gezielte Planungsarbeit im Sinne der Raumordnung.
 
Raumordnung und Raumplanung erfolgen in folgender Hierarchie (die fett hervorgehobenen Einheiten üben einen größeren Einfluss aus):
  • Europäische Union
  • Republik Österreich
  • Bundesland
  • Region
  • Gemeinde
Auf europäischer Ebene erfolgt das raumordnerische Gesamtkonzept durch das Europäische Raumentwicklungskonzept (EUREK). Man kann es gleichsam als "europäischen Masterplan" bezeichnen. Es ermöglicht den Mitgliedstaaten der EU, Einfluss auf die Raumordnung zu nehmen und stellt den Rahmen der Raumordnung auf EU-Ebene dar.
 
Auf österreichischer Ebene liegen die ÖROK sowie das ÖREK.
 
Raumordnungskonferenz und Raumentwicklungskonzept
 
Die ÖROK (Österreichische Raumordnungskonferenz) ist die oberste Raumordnungsbehörde und koordiniert die einzelnen Raumordnungspläne. Sie ist dem Bundeskanzleramt unterstellt. Eine der zentralen Aufgaben der ÖROK ist die Erstellung des Österreichischen Raumentwicklungskonzepts (ÖREK). Darin einigen sich Bund, Länder, Gemeinden und Interessenvertretungen auf allgemeine Ziele der Raumordnungspolitik in Österreich. Bis heute gibt es vier Versionen, jedes gilt für einen Zeithorizont von zehn Jahren (1981, 1991, 2001 und 2011). Das ÖREK dient als langfristige Orientierung und Leitbild in der österreichischen Raumordnung.
 
Im Österreichischen Raumentwicklungskonzept (ÖREK) sind enthalten:
  • Staatspolitische Grundsätze: Bekenntnis zur Neutralität, zur internationalen Zusammenarbeit usw.
  • Gesellschaftsbezogene Ziele: Herstellen ausgewogener Lebensbedingungen, Sicherung der ökologischen Bedingungen usw.
  • Wirtschaftsbezogene Ziele: Sicherung und Verbesserung der Grundlagen für eine ausgewogene Wirtschaftsentwicklung.
 
Das ÖREK 2011 ist unter dem Motto "Raum für alle" erschienen. Als Herausforderungen der Zeit wurden folgende Themen erkannt:
  • Die Internationalisierung der Wirtschaft
  • Der verstärkte Standortwettbewerb
  • Alterung und Zuwanderung
  • Klimawandel, Flächeninanspruchnahme und Ressourcenverbrauch
  • Die veränderte geopolitische Positionierung Österreichs in einer expandieren Europäischen Union
 
Aufbauend auf den Grundhaltungen des ÖREK 2011 (wettbewerbsfähig, solidarisch und nachhaltig) wurden vier thematische Säulen mit 14 Handlungsfeldern definiert, denen wiederum 36 Aufgabenbereiche zugeordnet wurden. Ziel ist es, diese Bereiche auszufüllen und auszuarbeiten. Die thematischen Säulen und die wichtigsten Themen ihrer Handlungsfelder lauten:
  1. Regionale und nationale Wettbewerbsfähigkeit: dabei geht es u.a. um Infrastruktur, Forschung und Innovation sowie Bildung.
  2. Gesellschaftliche Vielfalt und Solidarität: hier geht es um Einwanderung, Integration, Sicherung der lokalen und regionalen Daseinsvorsorge.
  3. Klimawandel, Anpassung und Ressourceneffizienz: Zentrale Themen sind Energiepolitik, Katastrophenschutz, Flächenmanagement und nachhaltige Mobilität.
  4. Kooperative und effiziente Handlungsstrukturen: es geht u.a.a um die Stärkung der regionalen Planungsebene, Kooperationen, Städtenetzwerke sowie Partnerschaften zwischen Stadt und Land.
 
 
Ein besonders interessantes Produkt der ÖROK ist auch der ÖROK-Atlas zur räumlichen Entwicklung Österreichs (verfügbar unter: www.oerok-atlas.at).
 
Ziele und Aufgaben der Raumordnung
 
EUREK und ÖROK wollen nicht nur die Anbindung der Peripherie an den Kernraum mittels neuer Infrastrukturen erreichen, sondern einige weitere Ziele:
  • Mehrere Zonen weltwirtschaftlicher Integration zu schaffen.
  • Integrierte Stadtentwicklungsstrategien unter Einbeziehung des jeweiligen Umlands fördern.
  • Stärkung der fachlichen Zusammenarbeit (Lokalverkehr, Verbindungen zwischen Universitäten und Forschungszentren, Umgang mit dem Kulturerbe, Integration neuer Zuwanderer) innerhalb der grenzübergreifenden und transnationalen Netze unter Einbeziehung der nord- und osteuropäischen Länder sowie des Mittelmeerraums.
 
 
2048px-2011-06-14_10-23-53_Austria_Niederösterreich_Fischamend_Markt.jpg
Abb. 2: Flughafen Wien-Schwechat: internationale Infrastruktur stärkt die strategische Rolle von Metropolregionen.
 
 
Um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen, müssen die miteinander verbundenen Entwicklungsstrategien der Städte und Verdichtungsregionen mehrere Aufgaben erfüllen:
  • Verstärkung der strategischen Rolle der Metropolregionen und der "Gateway-Städte", die den Zugang zur EU bilden (große Seehäfen, interkontinentale Flughäfen, Messe- und Ausstellungsstädte, kulturelle Zentren mit Weltruf) - unter besonderer Berücksichtigung der peripheren Gebiete.
  • Kontrolle der Erweiterung der Städte unter Verfolgung des Konzepts der "kompakten Stadt" (Stadt der kurzen Wege), vor allem in Küstengebieten.
  • Förderung der Mischung von Funktionen und sozialen Gruppen, vor allem in den Metropolen, um die soziale Ausgrenzung gewisser Bevölkerungsgruppen zu bekämpfen; neue Nutzung in der Krise befindlicher Stadtviertel und wirtschaftlich brach liegender Flächen.
  • Bewirtschaftung von Ressourcen wie Wasser, Boden, Energie und Abfälle; Erhaltung von Natur und Kulturerbe; Ausweitung und Erhaltung der Naturräume.
  • Verbesserung der Erreichbarkeit mit wirksamen und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln.
 
 
 
Quellen:
Roland, M. (Hrsg.): GEOGRAPHIE. Lehrbrief 12, Dr. Roland GmbH, Auflage 12/2015, Wien
http://www.oerok.gv.at/glossar/glossar.html?tx_a21glossary%5Buid%5D=119&cHash=051828994ce305216799b389565be0a5 (16.1.2017)
http://www.oerok.gv.at/fileadmin/Bilder/2.Reiter-Raum_u._Region/1.OEREK/OEREK_2011/Dokumente_OEREK_2011/OEREK_2011_DE_Downloadversion.pdf (16.1.2017)
https://pixabay.com/de/wien-luftaufnahme-stadt-von-oben-1154998/ (10.1.2017)
https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Simisa: Austria, climbing out of Wien-Schwechat, online unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3A2011-06-14_10-23-53_Austria_Nieder%C3%B6sterreich_Fischamend_Markt.jpg (10.1.2017)