Theorie:

Familienplanung
Einige Staaten haben in der Vergangenheit versucht, durch gezielte Familienplanung, die auf Freiwilligkeit basieren soll, das natürliche Bevölkerungswachstum zu verringern. Maßnahmen waren vor allem eine intensive Aufklärung der Bevölkerung oder die Durchführung freiwilliger Sterilisationen.
 
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Abb. 1 Werbung für Familienplanung in Äthiopien
 
Den größten Erfolg bei der auf Freiwilligkeit basierenden Familienplanung konnte Thailand erzielen, wo das Bevölkerungswachstum von \(3,7\)% in den \(1970\)er Jahren auf heute nur noch \(1,2\)% verringert werden konnte. Thailand gelang dies vor allem durch die Enttabuisierung von Sexualität und Familienplanung, durch einen freien und erleichterten Zugang zu Verhütungsmitteln, durch Aufklärungsarbeit mittels Aufklärungsteams und -filmen sowie durch Aufklärungsunterricht in den Schulen Thailands. Wichtige Gründe für die Erfolge in der Familienplanung in Thailand waren, dass fast alle Menschen lesen und schreiben können und dass sie der Familienplanung gegenüber aufgeschlossen sind.  Auch der buddhistische Glaube war mit der freiwilligen Familienplanung vereinbar und Mönche segneten und verteilten Kondome und "Antibabypillen".
 
In vielen anderen Ländern, wie z.B. Brasilien, den Philippinen und Uganda, blieb die auf Freiwilligkeit basierende Familienplanung erfolglos. Gründe dafür sind vor allem der stark verbreitete katholische Glaube, der geburtenverhütende Mittel strikt ablehnt und dass Kinderreichtum oft die einzige Möglichkeit der Altersvorsorge dargestellt: der Generationenvertrag. Die Eltern sorgen zunächst für ihre Kinder, die Kinder sorgen im Gegenzug für die Eltern im Alter. Der Generationenvertrag ist in vielen Ländern nach wie vor gültig. Eines der größten Probleme für jede Familienplanung ist jedoch die Tatsache, dass die meisten Gesellschaften der Dritten Welt patriarchalisch strukturiert sind. Patriarchat bedeutet die Dominanz des Mannes in Familie und Gesellschaft - für Frauen ist Kinderreichtum oft die einzige Möglichkeit soziale Anerkennung zu erlangen.
 
Im Gegensatz zur auf Freiwilligkeit basierenden Familienplanung gibt es auch die staatlich gelenkte Familienplanung. Prominenteste Vertreterin war hierbei die Volksrepublik China mit der Ein-Kind-Ehe. Durch eine Mischung von "Zuckerbrot und Peitsche" wurde versucht in die Familienplanung einzugreifen.
 
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Abb. 2 Bevölkerungsentwicklung in der Volksrepublik China
 
Vorteile, mit denen in China die Ein-Kind-Ehe gefördert wurde waren:
     - Einzelkinder bekommen kostenlose medizinische Betreuung
     - Einzelkinder werden bevorzugt in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen aufgenommen
     - Die Eltern bekommen ca. \(10\)% zusätzlichen Monatslohn
     - Die Eltern werden bei der Wohnungsvermittlung bevorzugt behandelt
     - Einzelkinder werden - wenn sie erwachsen sind - bei der Arbeitsvermittlung bevorzugt behandelt
 
Bei Nichteinhaltung, also bei der Geburt eines weiteren Kindes, gingen alle bis dahin geltenden Vorteile verloren. Darüber hinaus mussten alle bis dahin erhaltenen Zuwendungen zurückbezahlt und ein monatlicher Beitrag an den öffentlichen Sozialfonds entrichtet werden.
 
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Abb. 3 Werbung für die Ein-Kind-Ehe in China
 
Chinas Erfolge in der Bevölkerungspolitik waren beachtlich. Der Bevölkerungszuwachs konnte auf \(1,2\)% reduziert werden. Besonders in den Städten, wo ähnliche Wertvorstellungen wie in den westlichen Staaten herrschen, war die Bevölkerungspolitik erfolgreich. Auf dem chinesischem Land blieben viele Söhne jedoch nach wie vor Garanten für Wohlstand und Alterssicherung und die Bevölkerungspolitik daher erfolglos.
 
Im Jahr \(2015\) wurde die Ein-Kind-Politik offiziell aufgehoben. Die konfuzianische Tradition, die männliche Erblinie zu erhalten hatte zu einem Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen geführt. Um dieses Ungleichgewicht und damit die Bevorzugung männlicher Kinder zu verhindern und um auf die Überalterung der chinesischen Bevölkerung zu reagieren wurde von Experten die Zwei-Kind-Ehe vorgeschlagen.
 
Quellen:
Abb. 1  https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Family_planning_Ethiopia_(good_effects).JPG (19.05.2016)
Abb. 2 http://politikforen.net/archive/index.php/t-43490.html (06.05.2016)
Abb. 3 https://c1.staticflickr.com/7/6173/6169806541_c400be0ba9_b.jpg (18.05.2016)