Theorie:

Die Auflösung des Ostblocks - DDR und Tschechoslowakei
In der DDR bildeten sich Oppositionsgruppen hauptsächlich innerhalb der Kirche. Man foderte vor allem "Freiheit für Andersdenkende" und freie Ausreise aus dem Land. Die SED (Sozialistische Enheitspartei Deutschlands) unter Erich Honecker lehnte aber alle Reformen ab, und die "Stasi" (Staatssicherheitsdienst) überwachte die oppositionellen Gruppierungen nun noch intensiver.
 
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Abb. 1 SED-Vorsitzender Erich Honecker
 
Angesichts der scheinbaren Hoffnungslosigkeit, in der DDR etwas ändern zu können wollten nun immer mehr DDR-Bürger in die BRD auswandern. Eine legale Ausreise war aber nahezu unmöglich und eine Flucht infolge der genauen Überwachung der innerdeutschen Grenze lebensgefährlich.
 
Im Mai 1989 bekam der Eiserne Vorhang durch die Öffnung der Grenze zwischen Österreich und Ungarn ein Loch. Die Chance, die sich dadurch bot, wurde von Zehntausenden DDR-Bürgern genützt, indem sie über Ungarn und Österreich in die BRD flohen. Andere zogen sich in die bundesdeutsche Botschaft in Prag zurück, von wo aus sie, nach langen diplomatischen Verhandlungen, in die BRD ausreisen druften.
 
Angesichts der Massenflucht hatte das Vertrauen der DDR-Bürger in ihre Staatsführung schwerst gelitten. Geplagt von Selbstzweifel und Selbstkritik begann die SED-Führung nun mit einem moderaten und offeneren Kurs. Angesichts der großen Demonstrationen in Leipzig und anderen Großstädten unter dem Slogan "Wir sind das Volk" gab die Staatsführung unter Erich Honecker schließlich nach: die Führungsrolle der SED wurde aus der Verfassung gestrichen und mehrere Parteien entstanden. Mehr als ein Symbol für das Ende einer Epoche - und damit das Ende des Kommunismus - war der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989.
 
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Abb. 2 Fall der Berliner Mauer
 
Vorerst blieb die SED aber noch an der Macht: Honecker trat zurück und wurde durch Egon Krenz ersetzt. Krenz plante Reformen und bereitete die ersten freien Wahlen vor. Bei diesen Wahlen gewann die Ost-CDU unter Lothar de Meziere.
 
Bald nach dem politischen Umbruch trat der Wunsch nach der Wiedervereinigung Deutschlands in den Vordergrund. Die "Zwei plus Vier-Gespräche"mit den Außenministern der DDR und der BRD sowie den Außenministern der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges sollten dieses Ziel verwirklichen.
 
Erst nachdem Gorbatschow seine Vorbehalte gegen eine Mitgliedschaft eines vereinten Deutschlands in der NATO aufgegeben hatte, konnte im September 1990 ein Vertrag unterzeichnet werden, in dem die Wiedervereinigung Deutschlands beschlossen wurde. Die fünf Länder der DDR traten am 3. Oktober 1990 der BRD bei. Die deutsche Teilung war damit überwunden.
 
Tschechoslowakei
Im Jahr 1977 gründeten tschechoslowakische Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler, unter anderen auch der spätere Staatspräsident Vaclav Havel, die Charta 77, die eine Verwirklichung der Menschenrechte anstrebte. Die Unterzeichner der Charta wurdern aber vorerst mit Haftstrafen und Berufsverboten von der Staatsführung verfolgt.
 
Am 17. November 1989 fand in Prag eine genehmigte Studierendendemonstration statt, die im Verlauf des Abends jedoch von der Polizei gewaltsam zerschlagen wurde. Am darauffolgenden Tag riefen die Prager Studierenden zu einem zeitlich unbegrenzten Streik auf. Die Nachrichten über das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Studierenden am 17. November verbreiteten sich in der ganzen Tschechoslowakei und mobilisierte weite Teile der Bevölkerung an den Gegendemonstrationen teilzumehmen. Sie forderten eine Untersuchung der Vorgänge und die Bestrafung der Verantwortlichen. Als Sprachrohr der Demonstrierenden wurde das Bürgerforum gegründet, welches den Dialog mit den kommunistischen Machthabern suchen sollte.
 
Da die tschechoslowakische Regierung an ihrer kompromisslosen sozialistischen Linie festhalten wollte weiteten sich die Proteste auf das ganze Land aus. Die Zahl der Demonstrierenden wurde in Prag auf 800.000 und in Bratislava auf 100.000 Menschen geschätzt.
 
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Abb. 3 Demonstration am Wenzelsplatz in Prag
 
Am 28. November 1989 begannen die Verhandlungen zwischen dem Bürgerforum und der Regierung und endeten mit der Streichung der führenden Rolle der kommunistischen Partei aus der Verfassung, die infolge ihre Macht einbüßte.
 
Quellen:
Abb. 1 https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/75/Bundesarchiv_Bild_183-1986-0421-044,_Berlin,_XI._SED-Parteitag,_Erich_Honecker.jpg (09.05.2016)
Abb. 2 https://i.ytimg.com/vi/Se9jEivz0Jw/hqdefault.jpg (09.05.2016)
Abb. 3 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Havla_1989.jpg (09.05.2016)