Theorie:

Grundfläche und Bevölkerungszahl
Das Gebiet der Europäischen Union umfasst nur etwa zwei Fünftel der Fläche der USA, aber ihre Bevölkerungszahl ist mit bereits mehr als einer halben Milliarde Menschen mehr als \(50\) % größer als jene der USA. Allerdings sinken die Geburtenraten in der EU, die Menschen in Europa werden insgesamt immer älter. Diese Entwicklungen können erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft haben (siehe unten und Kapitel 2:Bevölkerungspolitik, Altersstruktur und ethnische Minderheiten).

Die Europäische Union erstreckt sich bereits über ein Gebiet von mehr als vier Millionen Quadratkilometer. Damit liegt sie im Vergleich mit den größten Ländern auf Platz 6 nach Russland, Kanada, den USA, China, Brasilien und Australien. Derzeit umfasst die Union 28 Länder (Stand Sommer 2016: der Austritt Großbritanniens aus der EU wurde am 23. Juni 2016 durch eine Volksabstimmung beschlossen - bis zum tatsächlichen Austritt bleibt das Land aber Mitglied der EU). Die Größe der einzelnen Länder ist sehr unterschiedlich: von Frankreich, dem flächenmäßig größten Staat, bis Malta, dem kleinsten Staat. 
  
  
 
LandFläche (Millionen \(km^2\))
China\(9,6\)
EU-28\(4,4\)
Indien\(3,3\)
Japan\(0,4\)
Russland\(17,1\)
USA\(9,9\)
Tab. 1: Flächenvergleich ausgewählter Staaten und der EU-28
  
  
Die EU hat im Jahr \(2016\) eine Bevölkerung von über \(500\) Millionen Menschen und damit die drittgrößte Bevölkerung der Welt nach China und Indien.
  
LandBevölkerung in Mio.Prozent der Weltbevölkerung
China\(1 380\)\(18,8\)%
Indien\(1 314\)\(17,9\)%
\(EU-28\)\(510\)\(7\)%
USA\(321\)\(4,4\)%
Indonesien     \(256\)\(3,5\)%
Brasilien\(205\)\(2,8\)%
Tab. 2: Bevölkerungsvergleich, Stand 2015
  
  
Die Bevölkerung der EU verteilt sich nicht gleichmäßig über den Kontinent: Einige Regionen sind sehr dicht bevölkert (wie etwa um die Ballungszentren London, Paris, Ruhrgebiet), andere (wie etwa der Alpenraum oder der Norden Skandinaviens) sehr dünn

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Abb. 1: Das Ballungsgebiet Paris gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der EU.
Lebenserwartung
Die Lebenserwartung in der Europäischen Union nimmt zu. 1960 geborene Personen können damit rechnen, etwa 67 Jahre (Männer) bzw. 73 Jahre (Frauen) alt zu werden. Im Jahr 2004 geborene Kinder werden voraussichtlich noch viel länger leben, nämlich im Durchschnitt 76 Jahre (Männer) und 82 Jahre (Frauen).
  
Vergleichszahlen der Vereinten Nationen zeigen im Vergleich dazu, dass in Somalia, einem der ärmsten Länder der Welt, zwischen 2000 und 2005 geborene Kinder nur eine Lebenserwartung von 46 Jahren (Männer) bzw. 49 Jahren (Frauen) haben.
  
In Österreicht hat sich die statistische Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten nach Daten der Statistik Austria folgendermaßen entwickelt:
  
GeburtsjahrMännerFrauen
197567,774,7
198570,477,3
199573,380
200576,682,2
201578,683,6
Tab. 3: Entwicklung der Lebenserwartung in Österreich
 
Geburtenraten - Bevölkerungszuwachs
Noch 1960 hatten die meisten Frauen in der EU zwei oder mehr Kinder; statistisch gesehen gab es mehr als 2,5 Kinder pro Frau. Bis 2014 jedoch war die Geburtenrate in der EU insgesamt auf 1,58 Kinder pro Frau gesunken.

Frankreich und Irland hatten 2014 in der EU die höchsten Geburtenraten mit knapp zwei Kindern pro Frau. Die niedrigste Geburtenrate mit unter oder knapp über 1,3 Kindern pro Frau hatten Portugal, Zypern, Griechenland, Spanien, die Slowakei und Italien.
  
Damit nimmt auch die Zahl der Erwerbstätigen in der EU immer weiter ab: Es werden also immer weniger Berufstätige immer mehr Rentnerinnen und Rentner unterstützen müssen.
  
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Abb. 2: Immer weniger Berufstätige werden künftig immer mehr Rentenbeziehende unterstützen müssen.
  
  
Um die Anzahl der Erwerbsbevölkerung zu erhöhen, benötigt Europa:
  • mehr Menschen im erwerbsfähigen Alter
  • eine längere Lebensarbeitszeit mit späterem Eintritt in die Pension
  • mehr Frauen, die arbeiten; dies setzt gezielte Fördermaßnahmen, gleiche Aufstiegschancen, gleichen Lohn für gleiche Arbeit voraus
  • Programme für lebenslanges Lernen, um die Kenntnisse und Fähigkeiten der Arbeitnehmenden auf dem neuesten Stand zu halten
  • die Förderung einer gezielten Einwanderungspolitik - dies stößt allerdings auf wachsenden Widerstand seitens populistischer Parteien, deren Zuspruch bei Wahlen steigt
Zuwanderung
Die Bevölkerung Europas wächst aufgrund einer Kombination aus natürlichem Wachstum (mehr Geburten als Todesfälle, wobei die Geburten wie dargestellt immer mehr zurückgehen) und Nettozuwanderung (mehr Menschen wandern zu als ab).
  
Heute ist die Nettozuwanderung der Hauptgrund für das Bevölkerungswachstum der EU. Ohne Einwanderung wäre die Bevölkerungszahl in Deutschland, Griechenland und Italien in den letzten Jahren zurückgegangen. Durch die Zuwanderung erhält die EU-Erwerbsbevölkerung die so dringend benötigten jungen Menschen.
  
 
Quellen:
Roland, M. (Hrsg.): GEOGRAPHIE. Lehrbrief 5, Dr. Roland GmbH, Auflage 12/2015, Wien
https://pixabay.com/de/paris-frankreich-französisch-843229/ (1.8.2016)
Tab. 3: Entwicklung der Lebenserwartung in Österreich, Daten von: Statistik Austria, online unter: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/menschen_und_gesellschaft/bevoelkerung/sterbetafeln/022522.html (1.82016)
Total fertility rate (number of children per woman): http://ec.europa.eu/eurostat/tgm/refreshTableAction.do?tab=table&plugin=1&pcode=tsdde220&language=en (1.8.2016)
https://pixabay.com/de/die-leute-reden-menschen-stehen-908342/ (2.8.2016)