Theorie:

Die Wanderungsbilanz (Wanderungssaldo) ist die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung in einem bestimmten Zeitraum und einem bestimmten Gebiet von außen bzw. nach außen.
 
Die Hochkonjunktur in Westeuropa seit den 1960er Jahren hatte in Österreich zu einem erhöhten Bedarf an Arbeitskräften geführt, der durch "Gastarbeitende" aus wirtschaftsschwachen Ländern (vor allem aus der Türkei und Jugoslawien) gedeckt werden sollte. Sowohl die Gastarbeitenden als auch Menschen aus Österreich selbst dachten zunächst nur an einen Aufenthalt auf Zeit: Heute jedoch investieren Nachkommen der damals Zugewanderten - mittlerweile vielfach österreichische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger geworden - in Wohnungen und Häuser.
 
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Abb. 1: Ankunft türkischer Gastarbeiter am Wiener Südbahnhof
 
Der ausländische Anteil an der österreichischen Wohnbevölkerung beträgt etwa 814 000 Personen oder 9,8 %, wovon rund 227 400 aus Staaten der EU stammen. Rund die Hälfte aller Zugewanderten bzw. deren Nachkommen lebt im Großraum Wien, wo etwa ein Viertel der gesamten Bevölkerung Österreichs ansässig ist. Der Rest verteilt sich vorwiegend auf die übrigen Ballungszentren, in denen ihr Anteil zwischen 10 % und 20 % ausmacht. In den vergangenen Jahren wurde pro Jahr an etwa 30 000 bis 40 000 Menschen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen (davon sind ca. 28,5 % in Österreich geboren), wobei diese Zahl seit 2005 rückläufig ist.
 
Dauerhaft aufenthaltsberechtigte Bürgerinnen und Bürger aus Staaten, die nicht der EU angehören, stammen vornehmlich aus den ehemaligen jugoslawischen Ländern Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Mazedonien (zusammen rund 65 % der dauerhaft Aufenthaltsberechtigten), der Türkei (ca. 21 %), der Volksrepublik China (ca. 1,3 %) sowie Ägypten, Indien, der Russischen Föderation, den Philippinen, den USA, der Ukraine, Thailand und Iran (jeweils zwischen 0,5 und 1 %). Ihre Gesamtzahl betrug am 30. Mai 2007 451 737 Personen.
 
Die Krise in Syrien hat darüber hinaus die Anzahl der Asylanträge stark steigen lassen. Fachleute des Innenministeriums prognostizieren für 2015 einen Anstieg auf mindestens 80 000 statt der ursprünglich angegebenen 40 000. Das ist gemessen an der Bevölkerungszahl weit mehr als in Deutschland. Im ersten Quartal 2015 betrug der Zuwachs der Asylanträge dann bereits 149,7 % statt der erwarteten 43 %.
 
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Abb. 2: Syrsiche Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Österreich und nach Deutschland
 
Abwanderung aus Österreich
Aber auch die Abwanderung österreichischer Arbeitskräfte war ab den 1950er Jahren beträchtlich. Der Hauptstrom von Emigrierenden aus Österreich erfolgte 1938/39 als Folge des Anschlusses an Hitler-Deutschland. In erster Linie mussten nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 "deklarierte Juden" Österreich verlassen (rund zwei Drittel - zirka 136 000 - der jüdischen Bevölkerung Österreichs), aber auch politische und weltanschauliche Gegner und Gegnerinnen des Nationalsozialismus.
Heute sind aus Österreich Ausgewanderte auf der ganzen Welt verstreut - der Großteil lebt jedoch im EU-Ausland.
  
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Abb. 3: Der Großteil der Auslandsösterreicher und -österreicherinnen lebt im benachbarten Deutschland.
 
Quellen:
Abb. 1: http://derstandard.at/1399507543662/Wie-die-Gastarbeiter-Oesterreich-veraenderten (04.08.2016)
Abb. 2: https://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%BCchtlingskrise_in_Europa_ab_2015#/media/File:Migrants_in_Hungary_2015_Aug_007.jpg (04.08.2016)
Abb. 3: http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/1303599/Der-Auslandswaehler-das-geheimnisvolle-Wesen (04.08.2016)