Theorie:

Mulitnationale ("Multis") oder transnationale Konzerne sind in mehreren Staaten (oft weltweit) operierende und häufig auch produzierende Konzerne. 

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Abb. 1: Multi- oder transnationale Unternehmen operieren weltweit.
 
In Folge ihrer Ausbreitung betreiben sie eine globale strategische Unternehmensplanung. Die internationale Tätigkeit erschließt neue und größere Absatzmärkte sowie Kostenvorteile (Arbeits-, Rohstoff-, Energie- und Transportkostenersparnis) und vermindert die Abhängigkeit von nationaler Wirtschaftspolitik und nationalen Konjunkturschwankungen.
 
Die multinationalen Unternehmen können anhand ihres Erscheinungsbildes unterschieden werden:
 
Multinationale Unternehmen (oder "klassische" multinationale Unternehmen) haben ein klar verortbares Hauptquartier, üblicherweise im Land der Unternehmensgründung. Zusätzlich operieren sie mit ihren Tochtergesellschaften aber in vielen anderen Ländern bzw. weltweit und erzielen dort auch nennenswerte Einkünfte.
 
Dennoch stehen sie in erkennbarem Bezug zu ihrem Herkunftsland bzw. ihrem Hauptquartier. Die Tochterunternehmen gleichen eher Filialen, so werden alle wichtigen Entscheidungen in der Zentrale des Heimatlandes getroffen. Beispiele sind McDonald's, Microsoft oder Apple.
 
Transnationale Unternehmen (oder "moderne" multinationale Unternehmen) dagegen haben mehr den Charakter eines Unternehmensnetzwerkes, das geographisch nicht mehr genau verortet werden kann. Repräsentiert wird das Unternehmen durch eine Corporate Identity, also eine global geregelte (und nicht mehr nationale) Unternehmenskultur.
 
Die Niederlassungen in unterschiedlichen Ländern sind mehr eigene Unternehmen als Tochtergesellschaften. Diese agieren sehr autonom und passen Produkte, Vertrieb, Marketing etc. den lokalen Gegebenheiten an. Entscheidungen werden üblicherweise nicht zentral bzw. von der Sicht eines Hauptquartiers, sondern aus einer globalen Perspektive getroffen. Beispiele sind Nestlé oder Royal Dutch Shell
 
Die Grenzen zwischen diesen "Idealtypen" sind in der Praxis aber durchaus fließend.
 
 
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Abb. 2: Transnationale Unternehmen treffen Entscheidungen aus einer globalen Perspektive.
 
 
Gründe für die Entstehung internationaler Unternehmen:
  • Billige Arbeitskräfte in den Gastländern
  • Nähe zu dort lagernden Rohstoffen 
  • Zusätzliche Absatzmärkte
  • Staatliche Subventionen ermöglichen eine kostengünstige Errichtung von Fabriken.
  • Niedrige Umweltstandards in anderen Ländern sparen teure Investitionen.
  • Steuerliche Vorteile in bestimmten Staaten ermöglichen höhere Gewinne.
  • Bessere Verkehrsbedingungen (Infrastruktur)
  • Umgehen von Handelsbeschränkungen (z. B. in Ländern, wo es keine Einfuhrkontingente und Zölle gibt)
 
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Abb. 3: Die Nähe zu Rohstoffen ist einer der Gründe für internationale Unternehmungen.
 
Vor- und Nachteile
Trotz ihres Beitrags zur Verbesserung der internationalen Arbeitsteilung, zur Verbreitung von technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how, zur Ausweitung des Welthandels und somit auch zu Fortschritt, Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit ist ihre Wirkung auch umstritten. Bedenken werden unter anderem wegen wirtschaftlicher Machtkonzentration und möglicher politischer Einflussnahme, Wettbewerbsverzerrung und Steuerflucht erhoben.
 
Vorteile für Entwicklungsländer
  • Risikoreiche Investitionen sind möglich, da Multis sehr hohe Kapitalreserven haben
  • Erbringen von Steuern für den Gaststaat
  • Schaffen neuer Arbeitsplätze
  • Höhere Löhne und bessere Sozialleistungen
  • Verbesserung des Ausbildungsstandes der Bevölkerung: Multis bilden speziell Fachkräfte für ihre Produktion aus und binden sie an das Unternehmen
  • Wirtschaftswachstum und damit Erhöhung des BIP des Gastlandes
  • Hochtechnologie wird ins Land gebracht
 
Nachteile für Entwicklungsländer
  • Interesse der Unternehmen an Gewinnmaximierung (Eigennutz)
  • Subventionen und Steuererleichterungen, damit sich Multis niederlassen
  • Konkurrenz zu den ansässigen Unternehmen
  • Überweisung der Gewinne in den Mutterstaat
  • Keine Förderung des Sozialsystems
  • Durch Dumpingpreise Ausschalten der heimischen Konkurrenz
 
 
Quellen:
Roland, M. (Hrsg.): GEOGRAPHIE. Lehrbrief 10, Dr. Roland GmbH, Auflage 3/2016, Wien
https://pixabay.com/de/skyline-new-york-600001/ (14.9.2016)
https://pixabay.com/de/tagebau-inden-rohstoffe-steinkohle-284498/ (14.9.2016)