Theorie:

Das ausbeuterische kapitalistische Wirtschaftssystem des 19. Jahrhunderts (Manchester-Liberalismus) wurde von Karl Marx und Friedrich Engels als menschenverachtend kritisiert. Manchester war damals das Zentrum der textilverarbeitenden Industrie und Ausgangspunkt der liberalen Entwicklung, die in erster Linie den Freihandel forderte. Zu den Zuständen gehörten z.B. ein 16-stündiger Arbeitstag, Löhne unter dem Existenzminimum, unmenschliche Arbeitsbedingungen etc.
 
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Abb. 1: Die englische Stadt Manchester wurde zum Synonym für ausbeuterischen Kapitalismus.
 
 
Das Konzept der Planwirtschaft geht hauptsächlich auf Marx und Engels zurück. Die Grundlage für die Idee der Verstaatlichung aller Produktionsmittel entwarfen sie in ihrem "Manifest der Kommunistischen Partei" (bzw. auch: "Das Kommunistische Manifest").
 
Die durch die russische Revolution initiierte kommunistische Planwirtschaft versuchte die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter durch die Unternehmerinnen und Unternehmer gemäß dieser Idee zu unterbinden: Die private Initiative sowie der Preismechanismus (Angebot - Nachfrage) wurden ausgeschaltet, der Staat verfügte ab nun über alle Produktionsmittel (Fabriken, Maschinen, Grundbesitz etc.); statt Privateigentum gab es nur noch Gemeinschaftseigentum.
 
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Abb. 2: Im Zuge der russischen Revolution übernahm der Staat auch die Steuerung der Wirtschaft.
 
Merkmale der Planwirtschaft (Zentralverwaltungswirtschaft)
 
Güterproduktion
Die zentrale Planstelle (zumeist der Staat) entscheidet, welche Güter wo und in welcher Menge und Qualität produziert werden sollen.

Produktionsziele
Wichtigstes Ziel ist die Erfüllung des vorgeschriebenen "Plansolls"; Produktion, Preise und Löhne werden durch Pläne (z. B. Fünfjahrespläne) festgelegt; es gibt kein Gewinnmotiv mehr.

Produktionsmittel
Rohstoffe, Maschinen, Boden, Gebäude etc. befinden sich im Staatsbesitz.

Preisgestaltung
Der Staat setzt den Preis für alle Produkte und Dienstleistungen fest; es gibt keinen Wettbewerb.
 
Güterverteilung
Diese erfolgt nach den Plänen und (politischen) Vorstellungen des Staates.
 
Bedürfnisbefriedigung
Volkswirtschaftliche Bedürfnisse werden auch dann befriedigt, wenn sie wirtschaftlich nicht ertragreich sind.
 
Berufswahl
Die Ausbildung und die Zuweisung von Arbeitskräften wird staatlich organisiert.
 
Arbeitslosigkeit
Es gibt (im Ideal) keine Arbeitslosigkeit mehr: alle Arbeitsfähigen werden ohne Rücksicht auf die Rentabilität der Betriebe eingesetzt.
 
Löhne und Gehälter
Ihre Höhe wird vom Staat festgelegt; dabei steht weniger die Leistung als vielmehr der persönliche Bedarf imVordergrund.
 
 
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Abb. 3: Die Mechanismen der Planwirtschaft
 
 
Vor- und Nachteile
 
 
Vorteile der Planwirtschaft
  • Soziale Missstände (wie Massenarbeitslosigkeit und Armut) können durch staatliche Regulierung verhindert werden.
  • Es besteht (theoretisch) Chancengleichheit (- in der "Praxis" bildeten sich aber auch in kommunistischen Gesellschaften privilegierte Eliten.)
  • Bestimmte Zweige können durch Sofortmaßnahmen forciert werden, ohne auf den Marktmechanismus warten zu müssen (Wissenschaft und Forschung, Bildungs- und Gesundheitswesen etc.).
 
Nachteile der Planwirtschaft
  • Es gibt kein freies Spiel von Angebot und Nachfrage. Dadurch aber kann die Knappheit von Gütern schwer ermittelt werden (ein steigender Preis in der freien Marktwirtschaft zeigt ja immer an, dass ein Gut knapp wird); es besteht daher die Gefahr von Fehlinvestitionen (Produktion von "Ladenhütern").
  • Die zentrale Planerstellung, Durchführung und Kontrolle bedarf eines kostspieligen Verwaltungsapparates, der nicht frei von Irrtümern ist.
  • Das Fehlen des Gewinnmotivs schaltet jede Eigeninitiative aus und vermindert daher den Gesamtertrag der Wirtschaft.
  • Es herrscht kein sorgsamer Umgang mit Produktionsmitteln, da diese ja "nur" im Staatseigentum stehen.
  • Die zentrale Planung der Wirtschaft hat in so gut wie jedem Fall seiner Umsetzung eine politische Machtkonzentration, häufig in Form einer Diktatur, mit sich gebracht.
 
 
 
 
 
Quellen:
Roland, M. (Hrsg.): GEOGRAPHIE. Lehrbrief 11, Dr. Roland GmbH, Auflage 12/2015, Wien
https://pixabay.com/de/manchester-kanaldeckel-metall-1631200/ (17.11.2016)
Gustavs Klucis, Sowjetisches Propaganda-Poster, online unter: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AMarx%2C_Engels%2C_Lenin%2C_Stalin_(1933).jpg (17.11.2016)
Die Mechanismen der Planwirtschaft: Maturaschule Dr. Roland