Theorie:

Probleme des Zusammenlebens verschiedener Völker in einem Staat
Probleme und Konflikte im täglichen Zusammenleben der Menschen in einem Staat gibt es meistens dann, wenn eine Minderheit von der Mehrheit aufgrund ihres "Andersseins" ausgegrenzt wird.
 
Als Minderheit bezeichnet man eine Bevölkerungsgruppe, die sich von der Mehrheit der Bevölkerung eines Staates durch bestimmte personale Merkmale, etwa ethnische Zugehörigkeit, Religion, Moral und Lebensweise etc. unterscheidet und deshalb, oft aufgrund von Vorurteilen, der Diskriminierung durch die Mehrheit ausgesetzt ist.
 
Während in einigen Nationalstaaten fast keine Minderheiten leben, etwa Norwegen oder Island, gibt es Staaten in denen mehrere Minderheiten leben wie z.B. Frankreich, Spanien, Österreich oder die USA. In der Volksrepublik China oder in Russland leben gleich mehrere Völker - China und Russland können daher als Vielvölkerstaaten bezeichnet werden.
 
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Abb. 1 Mitglieder der Tujia-Minderheit in China
 
In Österreich gibt es außer Migrierten, die zur Gastarbeit oder als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, "historische" Minderheiten. Zu diesen Minderheiten zählen Menschen kroatischer, ungarischer, slowenischer und tschechischer Abstammung. Österreich ist zum Schutz seiner Minderheiten durch den Staatsvertrag (Artikel 7) verpflichtet.
Ethnische Konflikte
Als Ethnie versteht man eine Population von Menschen, die Herkunft, Geschichte, Kultur, die Verbindung zu einem spezifischen Territorium und ein Gefühl von Solidarität miteinander teilen.
 
Ethnische Gruppierungen definieren sich zumeist aus der gemeinsamen Vergangenheit. Diese zeigt sich in Tradition, Sprache, Religion und Kleidung.
Kulturelle und ethnische Identität bilden sich in Abgrenzung zu den "Anderen". Dies kann zu Ethnozentrismus - der Interpretation der Umwelt durch die Maßstäbe der eigenen Gruppe - und Xenophobie - der Angst vor Fremden - führen. Ethnozentrismus und Xenophobie kommen oft ins Spiel im Zusammenhang mit politischen Debatten zur Migration.
 
Konflikt zwischen Tutsies und Hutus in Ruanda
Als Völkermord in Ruanda werden umfangreiche Gewalttaten in Ruanda bezeichnet, die \(1994\) etwa \(800.000\) bis \(1.000.000\) Menschen das Leben kosteten. Angehörige der Ethnie der Hutu töteten \(100\) Tage lang die in Ruanda lebenden Tutsi. Die Ursache für den Konflikt war der langjährige Konflikt zwischen der ruandischen Regierung und der Rebellenbewegung Ruandische Patriotische Front (RPF).
 
Der Darfur-Konflikt
Der Konflikt in Darfur ist eine seit \(2003\) andauernde bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen Ethnien in Darfur und der sudanesischen Regierung in Karthum. Dabei fordern aus schwarzafrikanischen Stämmen hervorgegangene Rebellenbewegungen mehr Mitbestimmung im Staat und eine Entwicklung ihrer Region. Die Regierung versucht diese Rebellenbewegungen militärisch zu schlagen.
Bisher sind etwa \(200.000\) Menschen durch den Konflikt umgekommen und etwa \(2,5\) Millionen wurden vertrieben. Schwere Menschenrechtsverletzungen sind Teil dieses Konflikts.
 
Der Konflikt um das Baskenland
Dieser Konflikt ist ein Beispiel für einen europäischen Konflikt mit sprachlichem oder ethnischem Hintergrund wie auch ein Minderheitenkonflikt.
 
Die Basken sind eine nationale und ethnische Minderheit, die im Baskenland beheimatet ist. Baskisch gilt heute als isolierte Sprache, da weltweit keine ursprüngliche Verwandtschaft zu einer anderen Sprache nachgewiesen werden konnte. Die Basken sind auch die autochthone (einheimische) Bevölkerung dieser Region.
 
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Abb. 2 Anteil der Basken an der Bevölkerung im Baskenland
 
Mit dem Spanischen Bürgerkrieg, der im Baskenland besonders brutal geführt wurde, wurde der baskische Nationalismus für Jahrzehnte in den Untergrund gedrängt, was zu einer ideologischen Festigung und zu einer Radikalisierung des baskischen Nationalismus führte. Die Euskadi 'ta Askatasuna (ETA) wurde \(1959\) in Spanien gegründet und befürwortete einen radikalen Kurs, der sich an der Unabhängigkeitsbestrebung orientierte. Der bewaffnete Kampf der ETA begann \(1968\). In ihrer \(50\)-jährigen Geschichte kamen mehr als \(800\) Menschen ums Leben. Für zahlreiche Basken gilt die verbotene ETA nach wie vor als eine Art Befreiungsorganisation.
 
Minderheitenprobleme
Eine Minderheit ist ein Teil eines Staatsvolkes, der sich durch personale oder kulturelle Merkmale von der Bevölkerungsmehrheit unterscheidet. Die Minderheit lebt meist in einer bestimmten territorialen Einheit (Staat, Region), kann aber auch über das Wohngebiet der Mehrheit verstreut sein oder in benachbarten Staaten leben. Neben Sprache, Rasse oder Religion können auch Moral-Vorstellungen, sexuelle Identität oder soziale Funktion den Status von Minderheiten ausmachen.
Eine Minderheit besteht, wenn eine Gruppe durch eine zahlenmäßig größere Gruppe eines Territoriums dominiert wird, ohne sich zwangsweise zu assimilieren. Im herkömmlichen Sinn meint man mit Minderheiten ethnische oder nationale Minderheiten, das heißt Bevölkerungsgruppen auf dem Territorium eines Staates im Gegensatz zu einer bestimmten Bevölkerungsmehrheit.
Im Jahr \(1998\) wurde in Tokio die International Movement Against All Forms of Discrimination and Racism (IMADR) gegründet. Diese Organisation soll auf die Probleme und Diskriminierungen von Minderheiten aufmerksam machen und sich für die Rechte benachteiligter Volksgruppen einsetzten.
 
Minderheitenproblem in Europa
Unmittelbar nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa wurden längst überwunden geglaubte Konfliktfelder wieder akut: die Problematik ethnischer Minderheiten. Ethnische, religiöse und sprachliche Konflikte innerhalb multinationaler Staaten (Jugoslawien, Moldawien) oder zwischen Staaten (Albanien, Mazedonien, Lettland) wurden gefährlich.
 
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Abb. 3 Ethnische Zusammensetzung Jugoslawiens 1991
 
Doch nicht nur in den "neuen" Demokratien gab es immer wieder Schwierigkeiten, die kulturelle Bedeutung von Minderheiten für eine Gesellschaft anzuerkennen. Auch gefestigte Gesellschaften haben häufig Mühe, Toleranz und Offenheit gegenüber Menschen mit anderer Abstammung oder abweichenden Lebensformen zu leben - ein Beispiel dafür ist Österreich und die Minderheitenrechte der Kärntner Slowenen mit dem Beispiel der zweisprachigen Ortstafeln.
 
Die britische Bill of Rights 1689, die amerikanische Virginia Bill of Rights 1776 und die Erklärung der Menschenrechte im Zuge der Französischen Revolution 1789 sind Dokumente, in denen die Grundrechte der Bevölkerung in einer nationalstaatlichen Verfassungsordnung festgehalten wurden. Diese Menschen- und Bürgerrechte als Grundrechte jedes Menschen wurden durch die UN-Menschenrechtsdeklaration 1948 unabhängig von nationalstaatlichen Rechtsordnungen festgelegt. Für den Minderheitenschutz bietet die Internationalisierung neue Chancen: Minderheitenangehörige, die sich ungerecht behandelt fühlen, können sich immer mehr an internationale Organisationen wenden. Hierbei spielen, auf europäischer Ebene, vor allem der Europarat und die OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) eine wichtige Rolle.
 
Quellen:
 
Abb. 1 https://de.wikipedia.org/wiki/Tujia#/media/File:Tujia_women.jpg (19.05.2016)
Abb. 2 https://de.wikipedia.org/wiki/Basken#/media/File:Euskara_percent.png (24.04.2016)
Abb. 3 https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Konflikte_der_Nachfolgestaaten_Jugoslawiens#/media/File:Yugoslavia_ethnic_map.jpg (29.04.2016)