Theorie:

Als Tigerstaaten gelten die vier asiatische Staaten Südkorea, Taiwan und Singapur sowie die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Sie konnten sich durch hohes Wirtschaftswachstum von Entwicklungsländern zu Industriestaaten entwickeln, was der in den 1980er-Jahren geprägte Begriff ausdrücken will (die Energie des Tigers, der zum Sprung ansetzt). So entstand auch der Begriff "Tigermodell" als wirtschaftspolitisches Konzept, das als Vorbild für Entwicklungsländer angesehen wurde.
 
 
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Abb. 1: Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong ist einer der Tigerstaaten.
 
Entwicklung des „Tigermodells“
 
Ursprünglich waren die Staaten abhängig von Importen und wirtschaftlich unterentwickelt; das äußerte sich beispielsweise in Rohstoffarmut, geringer landwirtschaftlicher Nutzbarkeit und einer hohen Analphabetenrate.
 
Um die Abhängigkeit industrieller Importe zu verringern, wurde Leichtindustrie angelockt, die vor allem an den niedrigen Löhnen, am geringen Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter, an schwachen Gewerkschaften sowie der unternehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik durch Sonderwirtschaftszonen und geöffneten Städten interessiert war, um so kostengünstig zu produzieren. In dieser Zeit erfolgte die Entwicklung von einem Agrar- zu einem Industriestaat, auch wenn sich die sozialen Verhältnisse nur wenig bessern oder gar verschlechtern.
 
Darauf folgte eine Depression der Wirtschaft in den 1990er-Jahren. Ursachen waren soziale Verbesserungen durch das Entstehen von Gewerkschaften, was zum Verlust der bisherigen Standortvorteile durch führte. Als Folge begannen die Staaten mit dem Aufbau einer moderner Industrie. Höhere Löhne bei gleichzeitiger sozialer Absicherung und brachte ein Wachstum des Dienstleistungssektors mit sich.
 
Da politische Stabilität und internationaler Handel wichtige Grundlagen für Investitionen in einer modernen Industrie sind, ging damit in Südkorea und Taiwan (nur eingeschränkt in Hongkong) eine Demokratisierung des politischen Systems einher. Trotz ihrer stabilen Entwicklung wurden auch die Tigerstaaten von der Asienkrise im Jahr 1997 hart getroffen.
 
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Abb. 2: Südkoreas Hauptstadt Seoul. In diesem Land kam es auch zu einer demokratischen Entwicklung.
 
Probleme der Tigerstaaten
Durch die wirtschaftliche Entwicklung (erst Niedrieglohn-, dann Hightech-Industrie) entstand eine wirtschaftliche Monokultur, die anfällig gegenüber Krisen ist. Auch von Rohstoff- und Absatzmärkten ist die Abhängigkeit größer.
 
Die Entwicklung war regional sehr unterschliedlich, da die Industrie quasi nur in den Städten wuchs, was zu einer großen Landflucht führte. Der Staat reagierte mit dem Bau von Entlastungs- und Wohnstädten.
 
Dazu kommt ein immer größeres demographisches Problem: Mit wachsender wirtschaftlicher Entwicklung, vor allem seit den 1990er-Jahren, gingen die Geburtenraten stark zurück. Die Fertilitätsraten lagen (2013 bzw. 2014) in Taiwan bei 1,11, in Südkorea bei 1,21, in Singapur bei 1,25 Kindern pro Frau. Somit wird die Bevölkerungszahl in den nächsten Jahrzehnten immer stärker fallen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der alten Menschen stark zu.
 
Das Fluggänsemodell
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Abb. 3: Ein Land dient als Vorbild für "nachfolgende" Staaten.
 
 
Ein weiteres Modell wirtschaftlicher Entwicklung im asiatischen Raum (das besonders auch auf die Tigerstaaten zutrifft) ist das sogenannte Fluggänsemodell: Damit ist gemeint, dass ein Land (in diesem Fall Japan) die anderen anführt, die dem Beispiel folgen. So kommt es zu einer ähnlichen Entwicklung der "Führungsgans" und der nachfolgenden "Mitflieger".
 
Typisch ist folgende zeitliche Abfolge:
  • Zunächst Abhängigkeit des Landes von Importen
  • Importsubstitution durch Einführung von Leicht-Industrie
  • Exportförderung durch arbeitsintensive Produktion
  • Importrestriktionen (Einfuhrzölle) der Abnehmerländer
  • Steigende Löhne und Konkurrenz durch andere Schwellenländer
  • Intensivierung der High-Tech-Branchen bis zur Wettbewerbsfähigkeit mit Industrieländern
 
Tiger- und Pantherstaaten
 
Die klassischen vier Tigerstaaten Asiens sind:
  • Südkorea
  • Taiwan (Republik China)
  • Singapur
  • Hongkong
 
Später kamen weitere Staaten in Südostasien hinzu, die dem Beispiel der vier klassischen Staaten folgen, die sogenannten Pantherstaaten:
  • Indonesien
  • Malaysia
  • Thailand
  • Philippinen
 
 
 
Quellen:
Roland, M. (Hrsg.): GEOGRAPHIE. Lehrbrief 11, Dr. Roland GmbH, Auflage 12/2015, Wien
https://pixabay.com/de/hong-kong-stadtbild-china-nacht-1031568/ (18.11.2016)
https://pixabay.com/de/seoul-yeoido-himmel-wolke-korea-410265/ (18.11.2016)
https://pixabay.com/de/himmel-wolken-gänse-fluggänse-1525902/ (18.1.2016)