Theorie:

Bis ins \(16\). Jhd. war das vorherrschende Weltbild ein geozentrisches. Bei der Formulierung des geozentrischen Weltbildes spielten im antiken Griechenland philosophische Überlegungen eine maßgebliche Rolle. Die Tatsache, dass sich das Weltbild allen Komplikationen zum Trotz so lange hielt, hat ähnliche Gründe. Der Gedanke, die Menschheit sei die Spitze der Schöpfung, und die Erde das Zentrum des Universums, war tief in Religion und Denken verankert, und wurde kaum in Frage gestellt. Es war ein bedeutsamer Schritt, diese Idee aufzugeben, und damit einem vollkommen neuen Weltbild die Bühne zu bereiten.
 
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Nikolaus Kopernikus.
 
Im Jahr \(1543\) veröffentlichte Nikolaus Kopernikus eine Schrift, in der er ein revolutionär neues Weltbild vorstellte. Die signifikanteste Änderung zum vorherrschenden geozentrischen Weltbild war, die Erde aus dem Zentrum des Universums zu verbannen, und stattdessen die Sonne in den Mittelpunkt zu setzen! Entsprechend nennt man ein solches, um die Sonne zentriertes Weltbild heliozentrisch (abgeleitet vom altgriechischen helios für 'Sonne'). Zusammengefasst lauten die Behauptungen von Kopernikus folgendermaßen:
Das heliozentrische Weltbild nach N. Kopernikus:
  • Die Sonne steht im Mittelpunkt der Welt.
  • Die Sterne bewegen sich nicht.
  • Die Erde ist ein Planet.
  • Die Planeten umkreisen die Sonne auf Kreisbahnen.
  • Der Mond umkreist tatsächlich die Erde, auch auf einer Kreisbahn.
  • Die Erde dreht sich einmal am Tag um ihre eigene Achse.
Mit einem Schlag schienen alle Probleme des geozentrischen Weltbildes gelöst! Insbesondere schienen keine Epizyklen mehr notwendig zu sein, um die Rückläufigkeit von Planeten zu erklären (siehe voriges Kapitel).
 
Doch genauere Messungen und Beobachtungen zeigten auch hier bald Unstimmigkeiten im Modell auf - das kopernikanische Weltbild vermochte auch nicht, die beobachteten Planetenbahnen genau zu erklären. Schließlich sah sich Kopernikus dazu veranlasst, auch in seinem Modell Epizyklen einzuführen, um eine bessere Übereinstimmung seines Weltbildes mit den Beobachtungen zu erzielen.
 
Das kopernikanische Weltbild stimmt bereits in vielen Aspekten mit dem heutigen Weltbild überein, und stellte eine große Verbesserung gegenüber dem geozentrische Weltbild dar. Doch wo war der 'Fehler' in Kopernikus Weltbild? Auch wenn er sich von der dominanten Idee der Erde im Zentrum des Universums gelöst hatte, hatte er dennoch Aristoteles Überzeugung übernommen, alle Bewegung müsse auf exakten Kreisen erfolgen. Und wie wir gleich sehen werden, ist das im Allgemeinen nicht der Fall.
 
Abschließend sei noch festgehalten, dass Kopernikus nicht der erste war, der ein heliozentrisches Weltbild formulierte. Heliozentrische Weltbilder wurden oft als "antireligiös" eingestuft, und führten zeitweise zu Spannungen mit der katholischen Kirche. Ein wesentliches Problem der Befürworter des heliozentrischen Weltbildes war zur damaligen Zeit (bis zum \(17\). Jhd.) die mangelnde Messgenauigkeit. So kann man z.B. mit modernen Teleskopen beobachten, wie sich nahe Sterne gegenüber dem Sternenhintergrund verschieben, während die Erde im Laufe eines Jahres um die Sonne kreist. (Das ist die sog. Parallaxenmethode, die dazu verwendet werden kann, um den Abstand zu Sternen zu messen.)
 
Quellen:
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Heliozentrisches_Weltbild